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Kortison – der Wolf im Schafspelz

Kortison-Spritzen werden sehr häufig bei Kniearthrose eingesetzt [1]. Insgesamt werden die Spritzen in das Gelenkinnere sogar viermal häufiger angewendet als Physiotherapie[1]. Jedoch ist nach einem Jahr das Ergebnis einer leitliniengerechten Physiotherapie im Vergleich zu Kortison-Spritzen deutlich besser [2]. Gemessen wurden sowohl die Schmerzlinderung wie auch die Leistung bei spezifischen Tests, die Alltagsaktivitäten repräsentieren. Kortison-Injektionen scheinen bei einer vermehrten Entzündung und stärkeren Problemen kurzfristig wirksam zu sein, führen gleichzeitig auch einige Risiken und Nebenwirkungen mit sich [3].

Nebenwirkungen von Kortison-Spritzen

Zum Beispiel führten Kortison-Injektionen im Vergleich zu einer Placebo-Injektion innerhalb von zwei Jahren zu einem größeren Knorpelverlust. Gleichzeitig bestand kein Unterschied in den Knieschmerzen zwischen den beiden Gruppen, somit war die Placebo-Injektion genauso schmerzlindernd wie das Kortison [4].

Diese Anzeichen konnte eine spätere Studie bestätigen: Kortison-Injektionen, besonders regelmäßige Injektionen, scheinen einen Zusammenhang mit einem schnelleren Fortschreiten der Arthrose zu haben [5]. Ungefähr einer von vier der Menschen benötigt 4 Jahre nach der ersten Injektion bereits eine Knieprothese [5]. Eine weitere Untersuchung aus 2019 dokumentierte, dass Kortison-Injektionen mittel- und langfristig zu hohen Komplikationen führen können [6]. Der Titel einer im Oktober 2019 veröffentlichten Übersicht beschreibt, meines Erachtens nach, die aktuelle Lage der Nachweise gut: Kortison-Injektionen sind vielleicht nicht so sicher, wie wir dachten [6].

Internationale Leitlinien widersprechen sich in ihren Empfehlungen bezüglich Kortison-Spritzen [2], das liegt wahrscheinlich an der Perspektive auf die Datenlage:

»Ist das Glas halb voll oder halb leer [7]?«

Hilft nun Kortison bei Kniearthrose?

Was bedeutet das nun für Sie als Patient? Entsprechend der aktuellen Datenlage kann folgende Aussage getroffen werden: Kortison-Injektionen bei Kniearthrose können möglicherweise den Schmerz für eine kurze Dauer von weniger als acht Wochen lindern. Jedoch sind die Nachweise hierfür von niedriger Qualität und die Vorteile bestehen meist nicht länger als drei Monate. Zusätzlich gibt es zunehmend Nachweise, dass Kortison-Spritzen auf lange Sicht die Verschlechterung der Kniearthrose vorantreiben könnten [8]. Da eine Kortison-Injektion einen Eingriff in das Gelenk bedeutet, besteht in diesem Fall auch das Risiko weiterer Komplikationen wie z.B. eine Infektion. Andere Maßnahmen zur Schmerzlinderung zeigen langfristig bessere Ergebnisse und haben weniger Risiko für negative Nebenwirkungen. Eine Übersicht zu den häufigsten Behandlungsmethoden und ihrer Wirksamkeit bietet unser eBook “Kniearthrose – Behandlungsmethoden auf dem Prüfstand”. Mit den daraus gewonnenen Erkenntnissen, können Sie zuversichtlich den ersten Schritt zu Ihrer selbstbestimmten Behandlung antreten.

Nebenwirkungsfrei Schmerzen lindern

Mit spezifischen und an Ihren Leistungsstand angepassten Übungen können Sie nachweislich Ihre Schmerzen lindern, die Einnahme von Schmerzmittel reduzieren und eine Operation vermeiden. Dadurch können Sie Ihre persönlichen Ziele erreichen: Treppensteigen. Wandern. Tennis spielen. 

Literatur

1      Dhawan A, Mather RC, Karas V, Ellman MB, Young BB, Bach BR, Cole BJ. An epidemiologic analysis of clinical practice guidelines for non-arthroplasty treatment of osteoarthritis of the knee. Arthroscopy; DOI: 10.1016/j.arthro.2013.09.002

2      Deyle GD, Allen CS, Allison SC, Gill NW, Hando BR, Petersen EJ, Dusenberry DI, Rhon DI. Physical Therapy versus Glucocorticoid Injection for Osteoarthritis of the Knee. N Engl J Med; DOI: 10.1056/NEJMoa1905877

3      Hunter DJ, Bierma-Zeinstra S. Osteoarthritis. The Lancet; DOI: 10.1016/S0140-6736(19)30417-9

4      McAlindon TE, LaValley MP, Harvey WF, Price LL, Driban JB, Zhang M, Ward RJ. Effect of Intra-articular Triamcinolone vs Saline on Knee Cartilage Volume and Pain in Patients With Knee Osteoarthritis: A Randomized Clinical Trial. JAMA; DOI: 10.1001/jama.2017.5283

5      Zeng C, Lane NE, Hunter DJ, Wei J, Choi HK, McAlindon TE, Li H, Lu N, Lei G, Zhang Y. Intra-articular corticosteroids and the risk of knee osteoarthritis progression: results from the Osteoarthritis Initiative. Osteoarthr Cartil; DOI: 10.1016/j.joca.2019.01.007

6      Kompel AJ, Roemer FW, Murakami AM, Diaz LE, Crema MD, Guermazi A. Intra-articular Corticosteroid Injections in the Hip and Knee: Perhaps Not as Safe as We Thought? Radiology; DOI: 10.1148/radiol.2019190341

7      Orchard JW. Corticosteroid injections: glass half-full, half-empty or full then empty? Br J Sports Med; DOI: 10.1136/bjsports-2019-101250

8      Orchard JW. Is there a place for intra-articular corticosteroid injections in the treatment of knee osteoarthritis? BMJ; DOI: 10.1136/bmj.l6923

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